wir leben in zwei welten, sagte ich zu gambetti, in der wirklichen, die traurig und gemein ist und letzten endes tödlich und in der fotografierten, die durch und durch verlogen, aber für den großteil der menschheit, die gewünschte und die ideale ist.
thomas bernhard, auslöschung ein zerfall
um den apparat für künstlerische, wissenschaftliche und politische bilder einstellen zu können, muss der fotograf begriffe von kunst, wissenschaft und politik haben: wie anders sollte er sie sonst ins bild übersetzen können? es gibt kein naives, unbegriffenes fotografieren. die fotografie ist ein bild von begriffen. vilem flusser, für eine philosophie der fotografie
man malt ein gemälde während man fotografiert. henry cartier-bresson, auf der suche nach dem rechten augenblick
wenn ich die geschichte in worten erzählen könnte, brauchte ich keine kamera herumzuschleppen. lewis w. hine
obwohl die kamera eine beobachtungsstation ist, ist der akt des fotografierens mehr als nur passives beobachten. ähnlich dem sexuellen voyeurismus ist er eine form der zustimmung, des manchmal schweigenden, häufig aber deutlich geäusserten einverständnisses damit, dass alles, was gerade geschieht, weiter geschehen soll. fotografieren bedeutet an den dingen, wie sie nun einmal sind, interessiert zu sein, daran, dass ihr status quo unverändert bleibt (wenigstens so lange, wie man zu einer "guten" aufnahme braucht). es bedeutet, im komplott mit allem zu sein, was ein objekt interessant, fotografierenswert macht, auch - wenn das gerade von interesse ist - mit dem leid und unglück eines anderen menschen. susan sontag, über fotografie
jedes bild verkörpert eine bestimmte art des sehens, selbst ein fotografisches bild. fotos sind eben nicht, wie häufig angenommen wird, lediglich mechanische aufzeichnungen. schauen wir uns ein foto genau an, könnte uns bewußt werden, dass der fotograf gerade diese ansicht aus einer unendlich großen anzahl von möglichkeiten ausgewählt hat. das gilt selbst für die meist spontan geknipsten familienbilder. die sicht des fotografen spiegelt sich unter anderem in der wahl seines motivs und bildausschnitts, während sich die sicht eines malers, in dem was er malt oder zeichnet, dokumentiert. obwohl sich bereits in jedem bild eine bestimmte sichtweise manifestiert, hängt unsere auffassung beziehungsweise unser verständnis eines bildes auch von unserer eigenen art des sehens ab. john berger, sehen - das bild der welt in der bilderwelt
wenn deine fotos nicht gut genug sind, dann warst du nicht nahe genug dran
robert capa